20 Jahre Schwerhörigenverein Passau

20 Jahre eine starke Gemeinschaft für die Schwerhörigen – Verein feierte stilvoll sein Jubiläum – Ehrung der Gründungsmitglieder

Von Josef Heisl

Salzweg Mit einem familiären Fest feierte der Schwerhörigenverein (SHV) Passau sein zwanzigjähriges Bestehen. Aus den Beiträgen der Redner wurde deutlich, dass diese Vereinigung durch einen bemerkenswerten Zusammenhalt für die Schwerhörigen viel erreicht hat. Durch eine permanente Öffentlichkeitsarbeit sei auch das Verständnis der einwandfrei Hörenden gewachsen, betonte die Vorsitzende Cornelia Hager.

Die Verbundenheit mit den christlichen Kirchen zeigte der Verein durch einen ökumenischen Gottesdienst in der Pfarrkirche St. Rupert, wo eine Induktionsanlage ein einwandfreies Hören sicherte. Domkapitular Manfred Ertl schlug dabei einen Bogen vom guten Hören im Alltag zum hören auf Jesus Christus, den guten Hirten. Der Geistliche rief zum Zusammenhalt auf, weil man gemeinsam leichter Türen öffnen könne. Der Gottesdienst wurde mit gestaltet von Pfarrer Dr. Paul Streidl von der evangelischen Kirche und Pastoralreferent Gerhard Eckmüller, musikalisch umrahmt von einer Gruppe junger Damen.

Nach einem gemeinsamen Essen eröffnete die Vorsitzende Cornelia Hager im Saal des Landgasthofes Spetzinger den Festakt. Im Namen des SHV Passau, aber auch der CI-Selbsthilfegruppe Ostbayern konnte sie eine Vielzahl besonderer Gäste begrüßen, darunter Ulrike Pleintinger von der Selbsthilfe-Kontaktstelle Deggendorf, Cornelia Stiegler von der Beratungsstelle Straubing sowie Vertreter einschlägiger Firmen und Selbsthilfegruppen aus ganz Ostbayern. Hager wies auf die Infostände hin, bei denen man sich die neuesten Erkenntnisse für Hörhilfen holen konnte.

Zusammenhalt sei eine Tugend, die gerade in unserer Zeit von größter Bedeutung sei, in der sich Hörgeschädigte in ihre Isolation zurückziehen würden, erklärte die Vorsitzende. Deshalb biete der SHV Anschluss für Menschen mit einer Hörbehinderung, mit von Tinnitus Betroffenen, Ertaubten und deren Angehörigen. Schwerhörigkeit sei eine unsichtbare Behinderung, die auch mit modernster Technik nicht zu beheben sei. Für diese Menschen sei es Schwerstarbeit und koste höchste Konzentration um eine Unterhaltung zu folgen. Besonders schwierig sei das Hören bei Nebengeräuschen. Doch die Gruppe versuche, sich gegenseitig zu helfen, denn nur gemeinsam sei man stark. Cornelia Hager dankte allen, die sie in den 20 Jahren unterstützt haben.

In seinem Grußwort verwies Bürgermeister Josef Putz auf die Bemühungen, Barrieren im Alltag für Menschen mit Behinderungen abzubauen. Das gelte auch für Barrieren in der Kommunikation. Betroffene sollten als vollwertige Mitglieder unserer Gesellschaft anerkannt werden. Der Einbau von Induktionsschleifen in der Kirche durch die Pfarrei sei einer dieser Schritte. Schwerhörigkeit sei unsichtbar, deshalb müssten sich die Betroffenen dazu bekennen und wir Hörende müssen uns besser darauf einstellen. Es sei deshalb gut, dass es diesen Verein gebe.

Die 3. Bürgermeisterin der Stadt Passau, Erika Träger, stellte fest, dass sich in den letzten zwei Jahrzehnten das Verständnis für Menschen mit Behinderung stark zum Positiven verändert habe. Leider habe man aber nur wenig Kenntnis, wie der Alltag eine Gehörgeschädigten aussieht. Durch den Verein erfahre die Öffentlichkeit viel über die Anliegen der Schwerhörigen, was gut sei. Von einem Feiertag für die Schwerhörigen sprach Leitender Regierungsdirektor Klaus Froschhammer als Vertreter des Landrats. Eine große Leistung sei, dass Cornelia Hager seit der Gründung den 1. Vorsitz inne habe. Hier werde Zusammenhalt und Gemeinschaft vorbildlich gelebt. Es werde aber auch vom Freistaat Bayern und den Kommunen viel für Menschen mit Handikap getan. Für diese Menschen sei Respekt und Akzeptanz wichtiger als Mitleid. Froschhammer wies dabei auch auf die Inklusion in den Schulen hin und überreichte ein Geldgeschenk.

Eine wunderschöne Geschichte aus dem Reich der Schafe trug Regine Zille vor, die 1. Vorsitzende des Bayerischen Cochlea Implantat Verbandes. Mit dem ausgegrenzten Schäflein, das nicht hören konnte, unterstrich sie anschaulich und emotional die Bedeutung des SHV Passau und der Selbsthilfegruppe Ostbayern. Werner Hagedorn vom Landesverband Bayern der Schwerhörigen und Ertaubten nannte den Verein einen wichtigen Anlaufpunkt für Schwerhörige in Passau. Durch Hörgeräte und Implantate würden Hürden überwunden und bei Behörden genieße der Verein durch Rat und Kompetenz hohes Ansehen.

Edwin Zieringer, der 2. Vorstand des Vereins übernahm dann mit Hager die Ehrung der Gründungsmitglieder. Er erinnerte an das Jahr 1995, als in Vilshofen an einem Stammtisch alles begonnen habe. Gerade eine Hand voll Leute habe 1997 den Entschluss gefasst, einen Verein zu gründen und von Vilshofen nach Salzweg zu gehen. Inzwischen sei viel geschehen, viele Angebote gebe es, gemeinsame Unternehmungen, Ausflüge, Vorträge und Vieles mehr. Mittlerweile zähle der Verein 57 Mitglieder. Dafür danke er der ganzen Vorstandschaft und auch besonders Franz Hager. Geehrt wurden die Gründungsmitglieder Hans Wagner, Rudolf Hager, Maria Glufke, Cornelia Hager, und Franz Hager.