Manifest zu Hörverlust und Behinderung

Zehn Prozent der Gesamtbevölkerung Europas – das sind 52 Millionen Menschen - leiden nach eigenen Angaben unter Hörverlusten. 73 % von ihnen suchen ärztlichen Rat, aber nur jeder zweite wird an Spezialisten verwiesen. Hörverlust stellt ein gewaltiges Problem für die Gesundheit der Bürger Europas dar. Aus Hörverlusten, die unbehandelt bleiben, resultieren gewaltige Belastungen der europäischen Gesundheits- und Sozialsysteme. Der Einsatz innovativer Medizintechnik - wie Hörsysteme und Implantate - kann dem entgegenwirken.

Europas Politiker sind aufgerufen, das Bewusstsein für dieses Problem zu schärfen, nach geeigneten Wegen der Prävention zu suchen, den Zugang zu Medizintechnik zu erleichtern, die Gesundheitsversorgung zu verbessern und für einen best-practice-Austausch zwischen den Staaten Europas zu sorgen.

Wir rufen die Mitgliedsstaaten der EU auf:

  1. Beim Umgang mit Hörverlusten voneinander zu lernen, einschließlich präventiver Maßnahmen und frühzeitiger Screening-Programme zur Identifikation und Diagnose von Hörverlusten;
  2. Die Behandlung von Hörverlusten in die allgemeine Gesundheitsversorgung zu integrieren, einschließlich präventiver Maßnahmen wie Screening-Programmen,
  3. Den Zugang zu Hörhilfen wie Cochlea Implantaten, Hörgeräten und Zusatzgeräten zu erleichtern;
  4. Altersgrenzen aufzuheben, die ältere Menschen mit Behinderungen daran hindern, ihre Rechte gemäß der UN-Behindertenrechts-Konvention wahrzunehmen (CRPD);
  5. Effektive Maßnehmen zu ergreifen, um den Zugang aller Menschen zu öffentlichen Einrichtungen, öffentlichen Gebäuden und audiovisuellen Medienangeboten sicherzustellen;
  6. Für die mit Hörverlusten befassten Berufe eine gute Ausbildung und Anerkennung zu gewährleisten.

Wir rufen die Europäische Kommission und den Europäischen Rat auf:

  1. Sich als Vorreiter für das Recht auf Hör-Hilfen und eine professionelle Versorgung einschließlich Diagnose, Rehabilitation, Beratung und Wartung zu engagieren;
  2. Mitgliedsstaaten bei der Koordination gesundheitspolitischer Maßnahmen gerade auch für die alternde Bevölkerung zu unterstützen;
  3. Eine europaweite Strategie zum Umgang mit Hörverlusten zu entwickeln, mit einer Fokussierung auf Gleiche Rechte für Alle, Prävention und Rehabilitation und dem Ziel, den Alltag schwerhöriger Menschen zu erleichtern, in Zusammenarbeit und unter der Regie führender Experten auf diesem Feld;
  4. Programme auf den Weg zu bringen, um das Bewusstsein für Hörverluste und ihre Folgen - wie soziale Isolation, Depression und physische wie psychische Alterungserscheinungen - zu schärfen und dementsprechend eine angemessene, auch geriatrische, Behandlung und Pflege sicherzustellen;
  5. In Forschung zu investieren, die hilft, Hörverlusten vorzubeugen, sie zu bekämpfen oder zu heilen, und für den Austausch relevanter Studien und Statistiken zu sorgen.