Tag des Hörens am 19.10.2015 in Augsburg

Der Tag des Hörens fand am 19.10.2015 im Augsburger Augustanasaal statt. Das Thema: Bessere Kommunikation bei Schwerhörigkeit und Tinnitus. Hören heißt: Am Leben teilnehmen.

Über 300 Gäste waren an diesem Abend zum Tag des Hörens gekommen, u.a. Dr. Günther Beckstein (bayr. MP i.R., trägt Hörhilfen), der von seinen Erfahrungen mit Schwerhörigkeit berichtete, und Dr. med. Volker Kratzsch (Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Abteilung für Hörbehinderung, Tinnitus und Schwindel, HELIOS Klinik Am Stiftsberg in Bad Grönenbach). Er referierte über die neuesten Möglichkeiten der Medizin und gab wertvolle Tipps für den Alltag.

Weiterhin nahmen teil:

  • Tinnitus-Selbsthilfegruppe Augsburg
  • Selbsthilfegruppe für Schwerhörige Augsburg
  • Regens Wagner - Offene Hilfen Augsburg
  • Katholische Hörgeschädigtenseelsorge Augsburg

und die Kooperationspartner:

  • HELIOS Klinik am Stiftsberg
  • Evangelisches Forum Annahof
  • Katholische Erwachsenenbildung der Stadt Augsburg
  • Seniorenpastoral des Bischöflichen Seelsorgeteams

 

Nachfolgend Auszüge aus den Vorträgen der Veranstaltung.

 

Bernhard Gattner, Moderator an diesem Abend betonte in seiner Begrüßungsrede unter anderem, was es heißt, nicht mehr gut hören zu können:

Hören heißt dazugehören, mitreden zu können, weil man hört und versteht. Hören heißt miterleben können, mitdiskutieren können und weil man hört und gehört wird, wird man wahrgenommen.

Wer nicht hört, wird schnell ausgeschlossen. Weil der eh nichts hört, weil er nichts hört und sich deshalb zurückzieht, heißt es schnell: der verhält sich komisch. Und wer sich komisch verhält, wird im Alter, für dement erklärt.

Nicht hören können, nicht mithören können, nicht zuhören können, hat zur Folge: Es entsteht Trennung, Misstrauen, Ärger, heißt Isolation.
Hören ist also von zentraler Bedeutung für unser Leben. Hören können ist so etwas wie ein Skelett für unser Miteinander, ein Stützpfeiler.

 

Josef Gogl, von der Tinnitus-Selbsthilfe Augsburg:

Die Neigung zum sozialen Rückzug und damit zur Isolation ist bei Menschen mit Höreinschränkung ausgeprägt. Daher kann ich nur alle ermutigen: Geht unter die Menschen und nutzt die Angebote der Selbsthilfegruppe und nutzt die Möglichkeiten die eine Verbesserung der Lebensqualität ermöglichen.

 

So begrüßte er die Referenten für diesen Abend.

 

Dr. Volker Kratzsch:

Tinnitus und Schwerhörigkeit. Wenn sie eine Veranstaltung zum Tinnitus machen haben sie den Saal wie hier. Viele Menschen interessieren sich für das Thema. Wenn wir eine Veranstaltung zum Thema Schwerhörigkeit machen, kommt keiner. Wenn ich eine Veranstaltung zum Thema Schwerhörigkeit mache, dann ist es meistens das Thema. Das ist schwierig zu transportieren.

Zusammenhänge zwischen Schwerhörigkeit und Tinnitus. Der alte Cäsar hat  schon gesagt, der hört auch schlecht, der braucht auch eine Flüstertüte neben seinem Ohr. Wenn jemand schwerhörig ist, ist die Wahrscheinlichkeit eines Tinnitus bis zu 80% hoch. Weil sie in den Frequenzen nicht mehr hören können, ein Ohrgeräusch, wenn ich den Tinnitus behandeln will kommen die Menschen in die Klinik und fragen, wie man den Tinnitus behandelt. Dann sagt man: sie brauchen ein Hörgerät. Sie sagen dann: wenn es denn sein muss, aber sehen darf man es nicht.

Umgekehrt die Angst, wenn die Menschen einen Tinnitus haben dann eine Schwerhörigkeit haben, das gibt es nicht. Sie können durch einen Tinnitus niemals schwerhörig werden. das hat alles wenig mit dem Ohr zu tun, es hat mit der Hörbahn zu tun. Die letztendlich in der Hörrinde stattfindet. Wenn wir den Hörnerven, aus dem Innenohr durchtrennen würden wären wir taub. Das heißt dass wir mit dem Ohr nichts hören können, dann ändert sich am Ohr nicht. Das Trommelfell funktioniert weiter, aber die Information kommt nicht an. Die Ohren übersetzten einen Schallreiz, der über die Hörbahn transportiert wird. Wenn wir den durchtrennen ändert sich am Tinnitus nichts.

Also Tinnitus ist kein Ohrgeräusch. Wenn wir jemanden haben mit Schwerhörigkeit und Tinnitus und versorgen ihn mit einem Hörgerät dann ändert sich am Tinnitus nichts. Aber das Hörvermögen nimmt zu. Deswegen nehmen wir den Tinnitus nur noch am Rande wahr. Das ist der therapeutische Effekt.

Letztendlich sind die Ohren überfordert. Wenn wir ein Signal klar empfangen, dann kann da ein Hintergrundgeräusch sein, wir verstehen es. Wenn sie das Signal bei einer Schwerhörigkeit haben, da brauche ich wenig Hintergrundgeräusch um schlecht zu verstehen. Was muss der Betroffene leisten, was ich gesagt habe. Ich muss mich unheimlich konzentrieren. Ich laufe der Kommunikation hinterher. Was sind die Auswirkungen? Das ist der Tinnitus. Oder es ist eine Tröte wie die Südafrikaner zur Weltmeisterschaft hatten. Schwerhörige sind geräuschempfindlich. Das ist schwer verständlich zu machen. Wenn ein Schwerhöriger neben mir sitzt, dann geht der Laie hin und schreit ihm ins Ohr. Das ist aber unangenehm. Weil die Geräuschempfindlichkeit bei Schwerhörigkeit da ist.

Häufig im Rahmen von Hörstürzen ist das Innenohr komplett betroffen. Das Gleichgewichtsorgan ist betroffen. Häufig entsteht eine Schlafstörung, weil wir den Tinnitus hören. Die Verspannungen im Nackenbereich kommen daher, dass wir den Kopf in eine bestimmte Richtung halten um besser zu verstehen. Oder Angst, dass letztendlich durch das erhöhte Stressniveau von Alltagsbelastungen nicht zu schaffen sind. Im Alltag bei einer Fortbildungsveranstaltung, da sitzt jemand hinten und muss mitbekommen, was vorne passiert. Wenn die Person schwerhörig ist, keine Chance. Es ist dunkel, ein kleiner Raum. Und häufig wird der Vortragende in die andere Richtung sprechen.

Oder Bierzelt. Eine tolle Geschichte. Aber für einen Schwerhörigen ein schwierige Geschichte. Oder der junge Mann der in die Sauna gehen soll. Dort kann er aber seine Hörgeräte nicht nutzen. Dort werden aber die Themen unter Männern gesprochen, wie Frauen am Telefon. Aber es ist für den ein Problem. Was macht er?

Schwerhörigkeit ist eine Behinderung. Die kann man nicht in allen Anteilen ausgleichen. Oder wenn Sprachinformation mit der Angebeteten das erste Date haben und sie flüstern ihr ins Ohr, dass sie sie sympathisch finden und sie sagt „was?“. Das ist schwierig. Es ist eine Behinderung. Das bedeutet das Hörvermögen unterliegt erheblichen Schwankungen. Sie hören nicht immer gleich gut oder schlecht. Du siehst aber heute gut aus- kann heißen „gut siehst du aus“ oder das Gegenteil. Schwerhörige leben in einem hörenden Umfeld.

Der gehörlose hat einen gehörlosen Partner. In einem Gehörlosenverein machen sie Sport. Der schwerhörige ist immer in einem hörenden Umfeld. Ich habe doch ein CI oder ein Hörgerät und damit ist das Problem gelöst. Ende der Unterstützung. Egal wie gut das Hörgerät ist, sie werden immer schwerhörig bleiben. Deshalb ist der wichtigste Satz „Ich bin schwerhörig, schauen sie mich an und deutlich. Sprechen sie bitte nicht durcheinander“. 

Herr Gogl hat es richtig angesprochen. Sozialer Rückzug ist häufig ein Thema. Weil wir über eine unsichtbare Behinderung reden. Das allerwichtigste, wenn sie das mitnehmen „verzichten sie auf das Verstecken der Behinderung“. Sie werden immer wieder Unterstützung einfordern müssen. Was kann Technik? Sie kann das Hören erleichtern, aber nicht dazu führen, dass sie wieder normal hören. Es kann aus einem schwerhörigen Menschen was machen, der sich nicht mehr so anstrengen muss. Aber sie werden dahin nicht mehr kommen egal wie gut Hörgeräte sind.

Die Therapieerwartung ist, dass die Ärzte die göttlichen Heiler sind. Das sieht aber oft nur so aus. Was wir wollen ist weg von dem Bild was heißt „Abgabe der Verantwortung“. Letztendlich wollen wir gemeinsam mit Ihnen Entscheidungen treffen das zu Wissen und Handeln fortführen kann.

Daher schließe ich mit einem Wort von Albert Schweitzer: in jedem Patienten steckt sein eigener Arzt.

 

Dr. Günther Beckstein:

Blind sein ist eine Beeinträchtigung ist, das weiß jeder. nichts hören ist auch eine Beeinträchtigung. Das wissen aber weniger Menschen. Das ist ein Fehler, deshalb halte ich diesen Vortrag. Die Problematik des schlechten Hörens habe ich in der Familie mitbekommen. Mein Vater war im hohen Alter und hat ganz schlecht gehört. Er war nur das Wochenende bei mir zuhause. Meine Frau ist selbstbewusst und hat ihn angefaucht: Er soll endlich zum Ohrenarzt gehen.

Sie weiß wie man jemanden rumkommandiert. Das hat sie beim Mann gelernt und hat das auch auf ihren Schwiegervater übertragen. Er ist dann spät zum Ohrenarzt gegangen. Vorher hatten wir folgende Situation die sie auch kennen: Wie bitte? Dann wird man das nochmals sagen. Dann heißt es nochmals: Wie bitte, ich habe dich schlecht verstanden. Beim dritten Mal wird man ungeduldiger antworten.

Beim vierten Mal sagt der Betreffende, er antwortet auch wenn er die Frage nicht verstanden hat. Dann entsteht der Eindruck: Der Opa wird absonderlich. Deswegen meine Empfehlung. Lieber fünf, sechs, sieben Mal „Wie bitte“ sagen oder zu sagen ich habe etwas nicht verstanden. Es ist gefährlich eine Frage, die man nicht verstanden hat zu beantworten.

Als mein Vater das Hörgerät hatte, hatte er es nicht gerne angezogen. Da hört man so viele Nebengeräusche. Meine Damen und Herren, das ist der Beweis, dass er es viel zu spät verwendet hat. Wenn er es früher verwendet hätte, dann wäre es ein fließender Übergang gewesen. Nicht erst zum Ohrenarzt zu gehen, wenn es zu spät ist, sondern frühzeitig.

Mein Vater ist verstorben und ich habe an diese Dinge nicht mehr gedacht, Herr Gattner, ich war dann am 2002 bei einer Feier, neben einem berühmten Deutschen gesessen: Franz Beckenbauer. Ich merke, dass ich beim Gespräch nichts mehr höre, aber sein Mund sich noch bewegt.

Ich habe mich schon mit Hörschädigung beschäftigt. Was macht man um das festzustellen: Finger aneinander reiben am Ohr. Wenn man einen Hörsturz hatte, dann hört man das nicht. Ich habe auf einem Ohr 0,0 mehr gehört, und war dann ja ziemlich betrübt und wollte den Abend gut über die Runden bringen. Ich war am nächsten Tag beim Ohrenarzt und er stellte einen Hörsturz fest. Ich hatte Medikamente bekommen, hat aber nicht viel geholfen. Ich habe mir gedacht, meine Karriere ist zu Ende. Ein Politiker der nicht mehr hören kann und sie hören z. b. keine Zwischenrufe, wenn sie in eine Talkshow gehen und hören die Fragen nicht, dann werden sie kein zweites Mal eingeladen.

Natürlich ist die Frage: Hören oder in einem Bierzelt reden, oder zu argumentieren mit Kollegen. Mein erster Gedanke: Die Karriere ist zu Ende. Der Ohrenarzt hat mich getröstet. Sie müssen zum Akustiker gehen und das war ein mühsamer Prozess um das Hörgerät einzustellen. Meine Frau sieht schlecht und von der weiß ich die geht zum Arzt und dann wird das Sehvermögen gemessen und dann bekommt sie eine neue Brille und dann sieht sie gut.

Das hören ist viel schwieriger, ein Hörgerät muss angepasst werden. die modernen Hörgeräte haben die Fähigkeit unterschiedliche Frequenzen unterschiedlich anzupassen. Das hat mehrere Vormittage gedauert. Sie werden fast wie bei einer Folter mit einsilbigen Worten vollgepumpt. Sie müssen feststellen ob die Konsonanten verstanden werden. Hof oder Holz also die Schlusskonsonanten, also Einsilber, man kann nicht das Hören durch den Verstand ausgleichen.

Die Akustikerin hat mich gefoltert aber erstaunliche Leistungen aus meinen schwerhörigen Ohren wieder herausgebracht. Ich bin dankbar, dass sie so geduldig war. Wenn man zwei Stunden am Computer vermessen wird, dann versteht man nichts mehr.

Ich bin beim nächsten Termin dann wieder hingegangen und so habe ich mein Hörgerät bekommen. Das zunächst an dem einen Ohr war. An dem zweiten Ohr war es noch nicht so dringend. Dann war die Frage: Wie geht man damit um? Der Arzt hat mir eine Perücke empfohlen. Die Frauen haben es leichter, die brauchen keine Perücke. Bei meinen Haaren würde das nichts helfen, wenn ich es ein Jahr nicht schneiden lassen würde. Die Haare dienen nicht zum Verbergen. Ich habe allerdings mit meiner Frau und mit meinen Mitarbeitern im Ministerium besprochen schwerhörig zu sein. Denn in der allgemeinen öffentlichen Meinung ist die Brille Mode aber beim Hörgerät will man vermeiden, dass es die anderen mitbekommen.

Wir haben diskutiert und gesagt, in dem Augenblick wenn man das verbergen will und es kommt doch auf, dann wird das eine besondere Geschichte und die Medien nehmen sich dem liebevoll an und ich habe beschlossen, den Stier bei den Hörnern zu packen und ich habe zu einer Presseveranstaltung eingeladen an dem ich die Hörgeräte vorgestellt habe. Vorausgegangen war, dass die Akustikerin, die das wirklich gut gemacht hat, und ich habe das erlebt bei vielen Kollegen, die nehmen sich Zeit und können mit schwerhörigen Menschen umgehen. Die hat mich beeinflusst, nicht das Hörgerät nach der Größe ausgesucht habe, wir hatten uns entschlossen, nicht auf die Unsichtbarkeit des Geräts achten, sondern mit welchen Gerät höre ich am besten.

Das hatte ich dann in der Pressekonferenz vorgestellt. Die Bildzeitung hat eine ganze Seite gemacht. Die Ohren wurden von allen Seiten fotografiert und es wurde eine Geschichte draus gemacht, aber ich bin hervorragend zurande gekommen. Ich habe nicht mehr gehört wie ein Junger, aber wenn sie Erfahrungen haben, dann erleben sie, dass viele Menschen im gleichen Alter dieselben Schwierigkeiten haben. Was Dr. Volker Kratzsch gesagt hat, dass 0,0002 Pascal hören um nicht vom Tiger gefressen zu werden, da wären doch bei uns heute schon viele gefressen worden.
Es ist offensichtlich, dass man mit dem Alter Hörvermögen verliert. Gerade bei Männern, bei über 60 Jahren, muss man sagen, dass es diesen Personen gut tun würde, ein Hörgerät sich zuzulegen.

Ich muss einen Einschub haben, weil wir hier bei Selbsthilfegruppen mit Menschen zu tun haben, die taub sind, oder eine Hörbehinderung haben von Kindestagen ab. Ich möchte den Gebärdensprachdolmetschern und den Schriftdolmetscher danken, alle diese Gruppen und Arbeiten sind eine wunderbare Hilfe. Ich erzähle nur über die Frage der Technik, es ging bei mir vom Hörgerät über das CI.  

Meine Hörgeräte habe ich auf beiden Ohren den Medien vorgestellt. Die Karriere war nicht zu Ende. Ich bin ins Kompetenzteam von Angela Merkel gekommen, als Kandidat des Bundesinnenministers. Als Herr Stoiber wieder nach Bayern zurückgegangen ist, hat es Turbulenzen gegeben. Ich bin ja noch Ministerpräsident geworden. Es ist keine Karriere zu Ende und man kann das durch Technik ausgleichen, es ist etwas wo jeder Mensch eine Schwierigkeit hat. Ich bewundere Wolfgang Schäuble der offen mit seiner Querschnittslähmung umgeht.
Inklusion bedeutet auf Beeinträchtigungen Rücksicht zu nehmen. Wenn man es verbirgt muss man sich nicht wundern, dass die anderen keine Rücksicht nehmen. Man muss den Menschen beibringen, dass die Vorurteile schlecht hören heißt Alt und dement, dass das Quatsch ist und dass man sich den Problemen stellt.

Der nächste Schritt war 2010 als ich eine ganze Serie von Hörstürzen mit Tinnitus hatte und die Untersuchungen ergeben haben, dass auf dem linken Ohr nur noch ein Hörvermögen von 15 % hatte bei den einsilbigen Wörtern und da hat der Arzt gesagt: da hilft kein Hörgerät mehr. Was gibt es noch? Da wäre ein Cochlea-Implantat sinnvoll. Ich habe dann einen zweien Arzt gefragt in Erlangen, der ein großes Zentrum für CochleaOperationen hat und dort die Untersuchungen machen müssen. Man wird getestet ob das Gleichgewichtsorgan auf beiden Ohren funktioniert. Man kriegt Belehrungen über die Folgen der Operation. Wenn ich sie gelesen hätte, hätten sie mich in Angst und Schrecken versetzt. Ich wusste, dass es eine Operation ist, die von erheblicher Qualität ist. Die wurde in Totalnarkose gemacht in 3,5 Stunden. Heute geht es schneller. Und es wird folgendes damit gemacht. Es wir im Kopf an dieser Stelle ein Computer eingebaut, 2-3 cm lang und 3 mm dick. Dieser Computer wird durch eine Elektrode am Gehörknochen angeschlossen und man hört nur noch mit dem Implantat. Hier ist das Mikrophon, da sind die Batterien.

Das Mikrophon übersetzt die Schallwellen, das geht zur Spule und die überträgt in den Computer, der im Kopf ist die Schallwellen. Und das ist etwas wo man dann nicht wie bei der Brille sofort sehen kann, sondern man lernt hören. Ich hatte das Glück, dass ich so ehrgeizig bin, ich hatte das an einem Vormittag geschafft. Sie erwarteten, dass ich das eine Woche übe. Man hört Sprache nur wie Computerstimmen, so hatte ich das zunächst gelernt. Man lernt mit den neuen Tönen umzugehen. Musikhören war überhaupt nicht möglich. Im Laufe der Zeit habe ich gelernt mit dem Cochlea-Implantat wieder normal zu hören und zwar einschließlich der Sprachfärbung. Es hilft vorhandene Behinderungen auszugleichen. Ich bin ein seltenes Exemplar auf dem einen Ohr mit einem CochleaImplantat und auf dem anderen Ohr habe ich ein normales Hörgerät und komme hervorragend zu Rande. Ich war bis vor kurzem an der Spitze der evangelischen Kirchen, habe viele Reden gehalten, es gibt anschließend immer eine Diskussion. Und in Kirchen ist die Akustik immer schwierig. Zeitlang hatte ich einen Dolmetscher gebraucht, der mir die Fragen ins Ohr geflüstert hat. Mittlerweile beherrsche ich die Geräte so gut, dass ich die Fragen in der Kirche genauso gut beantworten kann, wie die meisten Pfarrer, die bei den Katholiken noch viel älter sind, aber auch viele evangelische Pfarrer die 50 sind, hören es nicht besser als ich. Ich singe das hohe Lied auf die Technik, die das in wunderbarer Weise ausgleicht.  

Die Frage des schlechten Hörens wird in der Zukunft mehr zunehmen, weil wir sehr viel Lärm haben. Übrigens nicht nur berufs- und Verkehrslärm sondern auch Freizeitlärm. Ich gestehe aus eigener Erfahrung, dass ich auch Freizeitlärm in Discotheken einschränken lassen wollte. In der Disco ist die Lautstärke viel zu laut. Ich bin aber gescheitert, weil die jungen Leute in der Partei gesagt haben: nur weil du schlecht hörst kannst du uns die Freude nicht wegnehmen.

Ich selber habe an meinem Beispiel erlebt wie wichtig es ist frühzeitig auf sein Hörvermögen zu achten. Ich hatte das negative Beispiel meines Vaters. Und wie leicht es ist, wenn man Beeinträchtigungen früh angeht.

Ich habe für ein „Hörscreening“ die Schirmherrschaft übernommen. Da wird eine Aktion gemacht, für jeden Hörtest, den der Hörgeräte-Akustiker macht, eine Spende gemacht wird. Das ist unabhängig von der Marke, was es immer gibt, dass man sich frühzeitig um sein Hören kümmert. Wenn jemand 50 ist, dann sollte man einen Hörtest machen lassen um auf die Weise frühzeitig gegensteuern zu können. Ich appelliere an alle den Mut zu haben sich zur Frage Schwerhörigkeit zu bekennen. In dem Augenblick in dem die anderen wissen, dass man ein Hörgerät hat, dann gehen sie rücksichtvoller mit einem um. Wenn die Burschen uns in der U-Bahn einen Platz anbieten, weil sie das Hörgerät sehen. Frühzeitig und offen damit umgehen, dann kann man das ein Stück wieder beherrschen.

Eins möchte ich noch sagen: Zeitalter des Internets, da gibt es Leute die sagen, sie kaufen ein Hörgerät über Internet, da kann ich abraten. Ohne eine gute Anpassung ist das herausgeschmissenes Geld. Sie müssen anpassen lassen, die Arbeit ist nicht in 5 Stunden erledigt. Das sind viele Nachmittage an denen man mit dem Hörgeräte-Akustiker arbeitet. Da werden die unterschiedlichen Frequenzen gemessen. Sowohl beim Hörgerät als auch beim CI. Da habe ich sogar verschiedenen Programme, da kann ich die Lautstärke steuern und nach Umgebungslärm. Ein Programm habe ich Oktoberfest genannt. Wenn ich in einem großen Bierzelt bin höre ich besser als Menschen ohne Hörbeeinträchtigung, weil der Hintergrundlärm vom Hörgerät weggefiltert ist. Wenn jemand 10 Meter entfern ruft, höre ich es nicht. Von daher können wir den Hintergrundlärm ausschalten. Bei Geburtstagsfeiern freuen sich viele über die Hintergrundmusik oder die Kinder die was Discomäßiges laufen lassen, das ist für mich ein hinderlicher Lärm, der mir den Abend erschwert. Die sind störend, aber im gewissen Umfang kann man das steuern.

CI heißt Cochlea-Implantat. Das kann Dr. Volker Kratzsch besser erläutern. Er hatte ein Bild vorhin. Ich habe unterschlagen, beim Cochlea-Implantat wird das normale Hören abgeschaltet. Der normale Hörnerv ist getrennt. Wenn ich die Prothese nicht trage höre ich null. Beim rechten Ohr kann ich einigermaßen hören ohne Hörgerät. Unter der Dusche höre ich nur mit dem rechten Ohr, da habe ich 65 % Hörvermögen. Die Fachleute ärgern sich über die Prozentangaben. Ich sage trotzdem dass es für mich eine große Hilfe es ist das auszudrücken. Eins wollte ich noch sagen für beide Geräte ist wichtig: Konsonanten sind schwierig zu hören, da liegt das Verstehen. Meine Frau behauptet, dass meine Hörgeräte für alle Menschen gut sind, außer ihre. Ich hätte ihre Frequenz unterdrückt. Jetzt bin ich mit meinen Punkten fertig aber wir hatten verabredet, dass sie alles fragen können, was sie wollen um die Probleme anzusprechen. Gehen sie offen mit der Frage um und zum Ohrenarzt. Sie werden erleben, dass das Leben lebenswerter ist, als wenn man erst einmal Hörvermögen verloren hat.

(Mitschrift: Thomas Wippel, DSB-zertifizierter Schriftdolmetscher -www.wortreport.eu-, Frau Häntsch)